Geschichte

Geschichte des Großenasper Sportvereins

1912 – Die Titanic versinkt im Nordatlantik, in Hamburg verkehrt die erste U-Bahn, Holstein Kiel wird Deutscher Fußballmeister, in Stockholm finden die V. Olympischen Spiele der Neuzeit statt und in Großenaspe ruft eine Gruppe um Lehrer Hansen einen Sportverein ins Leben. Der Schwerpunkt lag im Bereich Leichtathletik und Turnen (mit den Turnspielen Schlagball und Faustball). Aus den ersten Jahren ist eine Fahrt der Faustballmannschaft nach Bordesholm bekannt. Was heute ein „Katzensprung“ ist, war seinerzeit wohl eher eine kleine Weltreise.

Aus dem Jahr 1915 wird überliefert, dass sich Lehrer F. F. Clausen um den Turnverein und Pastor Bünz um die Turnjugend kümmert. Ferner ist bekannt, dass Pastor Bünz eine Strohdachkate (Grundstück Hans Kruse) kaufte, in der Sport getrieben wurde.

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Zum Anfang der 20er Jahre wurden Planungen zum Bau einer Turnhalle aufgenommen. Dieser Plan wird wegen der folgenden Inflation nicht umgesetzt. Blieben also die Turnfeste auf der Hauskoppel von Hinrich Stölting unter Begleitung des vereinseigenen Spielmannzuges. Im Jahr 1926 brannte die (Sport-)Kate ab. Unter dem Vorturner Dentist Hans Weber wurde fortan auf dem Saal von Timm´s Gasthof Sport getrieben.

Im Jahr 1931 wurde von einer Bezirksmeisterschaft der Faustballer (Hans Holtorff, Karl Holtorff, Hermann Huckfeldt, Max Asbahr, Ernst Hamann, Otto Klahn) berichtet.

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In den 30er Jahren kommt das Vereinsleben zum Erliegen. In den Kriegswirren gingen alle schriftlichen Unterlagen des Vereins und damit ein Großteil unserer frühen Vereinsgeschichte verloren.

Besser dokumentiert ist unsere Nachkriegsgeschichte. Am 15.06.1946 erfolgte die Neugründung des Großenasper Sportverein (Günter Heine und Heinz Bohsack Vorstand). Das Gesicht des Vereins wandelte sich, Fußball und Handball waren nun die „großen“ Sportarten. Die Fußballer z.B. boten schnell 2 Herren- und 3 Knabenmannschaften auf. Namen wie Kuno Brandenburg, Heinz Bohsack, Hein Günter, Dieter Riemer, Walter Frauenstein, Siegfried Kachel, Walter Holtorf, Ernst und Klaus Griep, Rudi Schreiber, Willy Ehrke, Markus Laudenbach, Willy Schütz, Werner Förster, Walter Stölting sind auch heute noch vielen Menschen ein Begriff.

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In den frühen 50er Jahren wurde die Abteilung Tischtennis von Fritz Beyer ins Leben gerufen. Die Turnabteilung unter Karl Dürr wurde wiederbelebt. Im Jahr 1955 hatte unser Verein 120 Mitglieder. Im Jahr darauf wurde der zehnte Jahrestag der Neugründung auf dem Sportplatz (Koppel Hans Schümann) gefeiert. Anfang der 60er Jahre wurde die Griep´sche Koppel an der Brokenlander Str. zum Sportplatz (heute der Bereich zwischen der Bahnlinie und dem Eingang zum Gewerbegebiet). Handball war zwischendurch „von der Bildfläche verschwunden“ und wurde von Alfred Haber und Uwe Evers (wieder ein Lehrer) voran gebracht. Siegfried Kachel reaktivierte die Faustballabteilung. Sport hatte einen ganz anderen Stellenwert im Leben der Menschen bekommen.

Am 01.02.1964 wurde die aus heutiger Sicht „kleine“ Sporthalle eingeweiht. Unter großem persönlichem Einsatz des damaligen Vorsitzenden Dr. Peter Becker konnte dieses Projekt realisiert werden. Die Kosten von rund 60.000,- DM wirken aus heutiger Sicht eher klein. Was heute ein Mittelklassewagen ist, war seinerzeit eine ganze Menge Geld. Der Mut, den der Verein und die Gemeinde damals aufbrachten, dieses Geld in die Hand zu nehmen, war aber einer der wichtigsten Schritte in der Vereinsgeschichte.

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Mit der überdachten und geheizten Möglichkeit auch in der dunklen Jahreszeit Sport betreiben zu können wuchs die Anzahl der Sparten durch gymnastische Angebote und Kinderturnen. Die Anzahl der Mitglieder wuchs auf 216 Personen an. Der organisierte Sport nahm immer größeren Raum im Leben der Menschen ein. Und mit viel Schwung wurden Ende der 60er Jahre ein Fußballfeld, 2 Kleinhandballfelder und leichtathletische Anlagen errichtet. Die Grundzüge der heutigen Sportanlagen waren abgesteckt. Da zu der Zeit das eigene Auto eher die Ausnahme als die Regel war, waren Auswärtsspiele oft ein Abenteuer. Um diese Thematik etwas zu erleichtern, spendierte der Bauunternehmer Emil Dittmer den ersten Vereinsbus. Generell wurde man mobiler und so berichten unsere Quellen z.B. von einem Jugendturnier der inzwischen zur größten Abteilung gewachsenen Handballer mit 160 teilnehmenden Mannschaften. Eine Größenordnung, die man sich heute nicht mehr vorstellen kann.

Im Jahr der olympischen Spiele in München (1972) konnten die inzwischen über 300 Mitglieder eine Flutlichtanlage auf dem Rasenplatz errichten. Zur Fußball-WM 1974 konnten wir schon fast 500 Mitglieder aufweisen. Die Tennisabteilung wurde gegründet und nutzte unter Führung von Wilfried Gerdes anfänglich die beiden frisch errichteten Handballhartfelder mit. Das Clubheim wurde errichtet und relativ zügig wurden auch 2 Grandplätze erstellt.

Auf Gesamtvereinsebene wurden in den Sommermonaten Freizeiten innerhalb Deutschlands und in das benachbarte Ausland für die Vereinsjugend organisiert. Die Sportschützen wurden in den Verein integriert, es wurde eine Schießanlage auf dem Bahnhof eingerichtet. Tanzen (Kalli und Marlene Denker) etablierte sich als Sparte, Aikido (Günter Berteit) war der erste Kampfsport in unseren Reihen.

1980 hatten wir über 800 Mitglieder und mit der Töpfersparte bekamen wir einen „Exoten“ dazu. Skat und Yoga wurden mit in das sportliche Angebot aufgenommen, die Reiter wurden aufgenommen.

Mit einem Ford Transit wurde der erste „eigene“ Vereinsbus angeschafft, um den zuverlässigen und sicheren Transport unserer Sportler zu gewährleisten. Mit 15 Abteilungen waren wir also ein breit aufgestellter Verein. Fußball hatte wieder die Position als größte Abteilung eingenommen. Es wurden mit ganz viel Eigenleistung zwei weitere Rasenplätze geschaffen, um die Mannschaften alle „unterbringen“ zu können. Tanzen boomte und wurde Teil unseres Vereinslebens.
Im Spätsommer des Jahres 1987 feierten wir den 75. Geburtstag und konnten vor dem Jahreswechsel noch das 1.000 Mitglied begrüßen. Modellflug war ein weiteres Angebot unseres Vereins.

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Im Handballbereich gingen wir eine Spielgemeinschaft mit dem SV Boostedt ein, um die Kräfte in der Region zu bündeln, die Faustballer bekamen Zuwachs im Jugendbereich aus Wiemersdorf.

Der nächste große Schritt war im Jahr 1991 die Einweihung der großen Sporthalle, die zur Eröffnung nach unserem langjährigen Vorsitzenden Rudi Allais benannt wurde, der sich viele Jahr lang für den Bau der Halle eingesetzt hatte. Endlich hatten wir eine „ordentliche“ Möglichkeit, auf einem Kleinfeld in einer Halle vor Ort nicht nur zu trainieren, sondern auch „richtige“ Heimspiele zu machen. Durch hervorragendes Zusammenwirken mit der Gemeinde und mutigem Handeln der beteiligten Personen konnten wir nun ein beachtliches, zentral gelegenes Sportareal aufbieten.

Handball und Faustball brachten in den Folgejahren richtig „Glanz in die Hütte“. Zum Ende des Jahrzehnts konnten wir Zweitligafaustball und kurzfristig sogar Bundesliga in unsere Halle sehen. Die Handballer konnten nicht nur von der Anzahl der Mannschaften, sondern auch von der Qualität her in verschiedenen Altersklassen überzeugen.

Zur Jahrtausendwende wurde das Tennisheim im Rahmen einer Vollsanierung in Sportlerheim umbenannt. Einem allgemeinen Trend folgend wuchsen die Fußballer ab Mitte des Jahrzehnts wieder stark an und konnten so den Status als größte Sparte wieder einnehmen. Die Reiter brachten uns mit den Mounted Games eine völlig andere Art des Reitens näher. Die Laufbahn und die Sprunganlage wurden komplett saniert und im Jahr 2012 konnten wir im Rahmen einer Festwoche den 100. Geburtstag feiern. Nichts ist beständiger als der Wandel und so peppte unser neues Logo unseren optischen Auftritt auf.

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Das Projekt, das uns in den letzten Jahren am meisten beschäftigte, war die Flutlichtanlage auf dem A-Platz. Es ist wie in allen Lebensbereichen: Was früher so einfach war, ist heute oftmals mit viel Bürokratie und noch mehr Unwägbarkeiten verbunden. Stolz konnten wir trotzdem zum Jahreswechsel 2014/15 Licht anmachen und somit erneut eine sinnvolle Verbesserung der Anlagen vornehmen. Dass wir in der Projektierungszeit nebenbei die Ballfangzäune fast vollständig ausgetauscht bzw. deutlich verbessert haben, zeigt, dass es eigentlich immer etwas zu tun gibt.

Nachdem nun auch die Fußballer im Bereich der älteren Jugendmannschaften mit dem SV Boostedt eine Spielgemeinschaft eingegangen sind, sind wir zur Zukunftssicherung eine vollständige Kooperation mit unserem Nachbarverein eingegangen. Mitglieder der beiden Vereine können das vollständige Angebot des jeweils anderen Vereines wahrnehmen.

Der Januar 2015 wird uns durch Sturm Elon in Erinnerung bleiben. Dieser konnte Teile des Daches der großen Halle abdecken und nur dank der beherzten Einsatzes der Mitarbeiter eines ortsansässigen Baubetriebes konnte größerer Schaden abgewendet werden. Aus Sicherheitsgründen konnten wir mitten in der „Saison“ für eine ganze Zeit unsere Halle nicht nutzen und waren total überrascht, welche großzügige Hilfe uns aus der Region zuteilwurde, um den Sportbetrieb am Laufen zu halten. Vorbildlich hier auch wieder die umsichtige und entschlossene Zusammenarbeit mit unserer Kommunalpolitik.